Die Frequenz

Kapitel 1 – Das erste Signal

Abschnitt 1: Jonas entdeckt das alte Radio

Jonas kletterte auf den staubigen Dachboden seines Großvaters, auf der Suche nach Kisten mit alten Fotos und Spielzeug. Zwischen stapelweise Kartons und verblassten Kleidern fiel sein Blick auf ein altes Röhrenradio, das halb unter einem Teppich verborgen lag. Das Gehäuse war aus dunklem Holz, an den Ecken leicht abgeschlagen, und die Knöpfe wirkten schon abgenutzt. Ein feiner Staubfilm legte sich auf seine Finger, als er das Gerät vorsichtig hochhob. Eine eigenartige Faszination packte ihn: Es wirkte fast wie ein Relikt aus einer anderen Zeit, ein Artefakt, das Geschichten in sich trug.

Er stellte das Radio auf einen alten Holztisch, der unter der Last vergessener Kisten ächzte. Der Stromanschluss war noch intakt, und als Jonas das Kabel vorsichtig in die Steckdose steckte, summte das Radio leise, als würde es atmen. Ein Geräusch zwischen einem Rauschen und einem sanften Brummen erfüllte den Raum. Jonas lächelte kurz über seine eigene Neugier und drehte den Lautstärkeregler langsam auf.

Abschnitt 2: Das erste unheimliche Signal

Kaum hatte Jonas den Lautstärkeregler vollständig aufgedreht, verwandelte sich das leise Rauschen in etwas Klareres. Zuerst dachte er, es sei ein Fehlton – ein brummender Klang, der aus dem Nichts zu kommen schien. Doch dann wurde das Geräusch plötzlich zu einer Stimme, die direkt aus dem Radio zu kommen schien: klar, warm und seltsam beruhigend, aber gleichzeitig seltsam fremd.

„Guten Abend, liebe Zuhörer. Es ist 22:14 Uhr. Heute sprechen wir über Jonas Keller.“

Jonas fuhr zusammen. Sein Herz setzte aus. Er starrte auf das Radio, dann auf sich selbst. Der Name – sein voller Name – war perfekt ausgesprochen, als hätte die Stimme ihn gerade beobachtet.

Er wollte den Knopf drehen, um die Frequenz zu wechseln, doch seine Finger bewegten sich wie von selbst nicht. Die Stimme sprach weiter, fast wie ein Flüstern, das direkt in seinen Kopf eindrang:

„Jonas sitzt in der kleinen Dachwohnung seiner Großeltern. Er trägt ein ausgewaschenes T-Shirt, das er nicht hätte anziehen sollen…“

Ein kalter Schauer lief Jonas über den Rücken. Er spürte, wie das Radio plötzlich viel größer wirkte, als wäre der Raum um ihn herum kleiner geworden, während die Stimme Details kannte, die niemand wissen konnte.

Abschnitt 3: Jonas reagiert auf die Stimme

Jonas starrte fassungslos auf das Radio. Er schluckte schwer, seine Hände zitterten leicht, als er nach dem Lautstärkeregler griff – nur um festzustellen, dass sich nichts bewegte. Jedes Knacken, jeder kleine Laut aus dem Gerät schien genau auf seine Bewegungen zu reagieren.

„Das kann nicht sein… das kann einfach nicht sein“, murmelte er zu sich selbst. Seine Stimme klang fremd in der Stille des Dachbodens. Er trat ein paar Schritte zurück, als hätte er Angst, die Stimme könnte ihn aus der Ferne berühren. Doch sie sprach weiter, ruhig, beinahe beiläufig, als würde sie seine Gedanken lesen:

„Jonas, du hast gerade gezögert. Dein Herzschlag ist schneller geworden. Du fragst dich, wie ich all das weiß.“

Jonas spürte, wie sich Panik in ihm aufbaute. Seine Gedanken rasten, er versuchte, rationale Erklärungen zu finden – eine Aufnahme, ein Trick, ein Streich. Doch je mehr er darüber nachdachte, desto klarer wurde, dass nichts in seinem Leben erklären konnte, wie das Radio Details aus seinem Zimmer, seinen Bewegungen und sogar seiner Kleidung kannte.

Er griff nach der Tür, wollte den Dachboden verlassen, doch es fühlte sich an, als hätte die Stimme eine unsichtbare Hand auf seine Schultern gelegt. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in seinem Magen aus. „Was willst du von mir?“ fragte er leise, fast flehend.

Und die Stimme antwortete, ohne zu zögern:

„Bleib. Bleib und hör zu. Gleich wirst du sehen, warum.“

Abschnitt 4: Die ersten Details, die die Stimme beschreibt

Die Stimme begann, Dinge zu beschreiben, die Jonas in diesem Moment kaum glauben konnte. Zuerst waren es kleine Details – das verblichene T-Shirt, die zerknitterte Jeans, die er seit Tagen nicht gewaschen hatte. Dann ging es weiter: die zerbrochene Lampe an der Wand, die Staubschicht auf dem alten Schreibtisch, sogar das kleine Porträt seines Großvaters, das schief auf dem Regal stand.

„Siehst du die Lampe an der Ecke? Der kleine Riss im Glas. Niemand hat sie bemerkt, aber ich sehe ihn“, flüsterte die Stimme.

Jonas trat noch einen Schritt zurück. Sein Atem beschleunigte sich. „Wie… wie kannst du das wissen?“ stammelte er. Seine Stimme klang panisch, brüchig.

„Ich sehe alles, Jonas. Ich kenne alles, was du nicht verstecken kannst“, antwortete die Stimme ruhig. „Jeder Gedanke, jede Erinnerung, jeder Zweifel – sie sind Teil unserer Sendung.“

Für einen Moment blieb die Welt still. Nur das Summen des Radios und die Stimme füllten den Raum. Jonas erkannte, dass er nicht nur beobachtet wurde – die Stimme kannte seine Vergangenheit, seine Ängste und jeden Moment, den er für sich behalten wollte. Es war, als ob die Realität selbst durch das Radio gefiltert wurde.

Ein Schauer lief ihm über den Rücken. Die Stimme fuhr fort:

„Und in wenigen Augenblicken wirst du merken, dass du nicht allein bist.“

Abschnitt 5: Das erste Anzeichen von Gefahr

Plötzlich hörte Jonas ein leises Klopfen – zunächst nur ein einzelner, kaum wahrnehmbarer Schlag an der Tür des Dachbodens. Sein Herz raste. Er trat zurück, als wolle er die Entfernung zwischen sich und dem Geräusch vergrößern, doch das Klopfen wiederholte sich, immer gleichmäßig, als hätte jemand seinen Puls gemessen.

„In wenigen Minuten wird jemand an der Tür klopfen, Jonas“, flüsterte die Stimme aus dem Radio.

Jonas spürte, wie sein Atem flach wurde. Ein instinktiver Impuls sagte ihm, die Tür nicht zu öffnen, aber die Stimme schien jedes Zögern zu kennen und darauf zu reagieren. Das Klopfen wurde lauter, schneller – und gleichzeitig hörte er es aus mehreren Richtungen, als würde der Dachboden plötzlich größer und zugleich enger werden.

Er wollte schreien, aber kein Laut kam über seine Lippen. Die Hände zitterten, Schweiß bildete sich auf seiner Stirn. Die Luft wirkte plötzlich schwer, geladen, als würde etwas Unsichtbares den Raum beobachten.

Die Stimme sprach ruhig weiter, fast süßlich:

„Du wirst jetzt aufstehen. Du wirst sehen, wer an der Tür ist.“

Jonas’ Augen weiteten sich. Er wollte sich bewegen, weglaufen, irgendetwas tun – doch seine Beine gehorchten ihm nicht. Etwas unsichtbares hielt ihn zurück. Und während das Klopfen lauter wurde, spürte er, dass dies kein gewöhnlicher Streich war. Die Gefahr war real, und sie war unmittelbar.

Abschnitt 6: Jonas versucht zu fliehen

Jonas riss die Augen auf und stolperte rückwärts Richtung Tür. Er griff nach dem Türgriff, spürte das kalte Metall unter seinen Fingern, doch ein seltsames Gewicht schien ihn zurückzuhalten. Es war, als würde die Luft selbst dichter werden, jede Bewegung erschweren, als wollte etwas ihn zwingen, an Ort und Stelle zu bleiben.

„Nein… ich muss hier weg!“, flüsterte er panisch und riss den Griff nach unten. Die Tür ließ sich kaum bewegen, als sei sie festgewachsen. Das Klopfen hörte nicht auf; es schien von überall gleichzeitig zu kommen, von innen und außen.

Sein Blick fiel auf das Radio. Es war nicht länger ein einfaches Gerät – es wirkte lebendig. Das Gehäuse zitterte leicht, der Lautsprecher vibrierte, und die Stimme sprach nun schneller, eindringlicher:

„Du kannst nicht entkommen, Jonas. Alles, was du denkst, alles, was du fühlst, ich kenne es. Du gehörst jetzt zu mir.“

Jonas stolperte, fiel auf die Knie. Er rang nach Luft, suchte verzweifelt nach einem Fluchtweg. Jede Instanz von Rationalität in seinem Kopf schrie, dass er wegrennen müsse, doch die Stimme war einen Schritt voraus. Sie kannte seine Gedanken, seine Ängste, seine Fluchtpläne – bevor er sie selbst formuliert hatte.

Mit zitternden Händen versuchte er, das Radio vom Tisch zu stoßen, doch als er es berührte, fühlte sich das Holz eigenartig warm an, beinahe pulsierend, wie ein Herzschlag. Ein dumpfes Summen drang in seine Ohren, und plötzlich hatte er das Gefühl, als würde die Realität um ihn herum wanken.

Abschnitt 7: Die Stimme enthüllt etwas über Jonas’ Vergangenheit

Das Radio vibrierte stärker, als Jonas’ Hände es berührten. Plötzlich war das Summen nicht mehr Hintergrundgeräusch – es verwandelte sich in Worte, die direkt in seinen Kopf eindrangen. Die Stimme sprach langsam, fast bedrohlich ruhig:

„Erinnerst du dich an den Sommer vor drei Jahren? Als du allein im Wald warst und vor Angst fast den Rückweg nicht gefunden hast?“

Jonas erstarrte. Sein Herzschlag raste, die Knie zitterten. Niemand konnte von diesem Tag wissen – er hatte nie darüber gesprochen. Und doch beschrieb die Stimme jedes Detail: die brennende Sonne, das Knarren der alten Bäume, den stechenden Geruch von feuchtem Laub und den Moment, als er fast hingefallen wäre, weil der Boden unter seinen Füßen nachgab.

„Du dachtest, niemand hat dich gesehen. Aber ich habe alles gesehen, Jonas. Deine Angst, deine Erleichterung, als du wieder nach Hause gefunden hast. Jeder Gedanke, jede Unsicherheit… alles liegt jetzt hier.“

Ein kalter Schauer lief Jonas den Rücken hinunter. Die Stimme fuhr fort und nannte weitere intime Details – Momente, die Jonas als peinlich oder schmerzhaft empfand, die er nie geteilt hatte. Es war nicht nur Beobachtung – es war Durchdringen, ein Eindringen in das Innerste seiner Gedanken.

„Du kannst dich nicht verstecken. Ich kenne dich. Und ich werde dich weiterhin beobachten, solange du mich hören kannst.“

Jonas spürte, wie die Panik in ihm wuchs. Die Stimme war nicht nur eine unheimliche Sendung, sie war persönlich. Sie kannte seine Vergangenheit, seine Ängste, seine Geheimnisse. Und sie spielte mit ihm wie ein Raubtier mit seiner Beute.

Abschnitt 8: Jonas beginnt, die Stimme zu fürchten

Jonas sank zitternd auf den Boden. Sein Blick haftete auf dem Radio, als könne er durch bloßes Sehen verstehen, wie die Stimme ihn beobachtete. Ein Gefühl der Hilflosigkeit breitete sich aus, das sich wie eine eisige Hand um sein Herz legte. Jede Faser seines Körpers schrie nach Flucht, doch sein Verstand war wie gelähmt.

Die Stimme sprach weiter, jetzt leiser, aber eindringlicher, fast flüsternd:

„Du fühlst Angst, Jonas. Deine Angst schmeckt süß, sie riecht nach Schweiß und Herzklopfen. Ich werde sie nähren.“

Ein Schauer lief ihm über den Rücken. Die Worte drangen tiefer in sein Bewusstsein, als würde das Radio selbst seine Gedanken lesen und verstärken. Jonas fühlte, wie jede Erinnerung, die er zurückdrängte, plötzlich an die Oberfläche kam – jede Unsicherheit, jede Schuld, jede alte Angst.

Er wollte schreien, wollte weglaufen, wollte das Radio zerstören – doch ein unsichtbares Gewicht hielt ihn fest. Sein Atem ging schnell, flach, panisch. Die Stimme begann, Szenen zu malen, die noch bevorstanden, Momente, die Jonas noch erleben würde: das Knarren der Tür, Schritte auf der Treppe, flackerndes Licht.

„Siehst du? Du kannst nicht entkommen. Ich bin immer bei dir. Ich sehe alles.“

Jonas spürte, wie Panik und Furcht ihn überwältigten. Es war nicht mehr nur ein Radio – es war ein lebendiges Wesen, das seine Angst sammelte, verstärkte und gegen ihn richtete. Die Furcht verwandelte sich in eine körperliche Präsenz, die den Raum zu füllen schien, als sei die Stimme selbst in seinem Dachboden.

Abschnitt 9: Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt

Die Schritte hinter der Tür wurden jetzt deutlich hörbar, gleichmäßig, als würden sie im Takt von Jonas’ Herzschlag erfolgen. Jeder Schlag des Radios vibrierte durch den Boden, durch seine Füße, bis ins Mark. Das Radio selbst begann zu knistern, als würde das Summen in ein unheimliches Flüstern übergehen, das seine Gedanken direkt zu durchdringen schien.

„Du siehst sie kommen, Jonas. Sie warten auf dich. Sie wollen dich hören, sehen, fühlen…“ flüsterte die Stimme, als würde sie direkt an seinem Ohr sprechen, obwohl niemand sonst im Raum war.

Jonas taumelte zurück, suchte Halt, griff nach einem alten Holzkasten, stolperte, fiel auf den Boden. Die Schritte wurden lauter, schneller. Das Herz hämmerte, seine Atemzüge waren kaum hörbar über dem pulsierenden Summen des Radios. Ein seltsames Gefühl von Nähe und Bedrohung verschmolz: Er spürte, dass jemand – oder etwas – auf der anderen Seite der Tür war, doch als er sich umdrehte, war da nichts. Nur die Schatten, die vom flackernden Licht des Dachbodens geworfen wurden, tanzten grotesk über die Wände.

„Du kannst dich nicht verstecken, Jonas. Die Tür schützt dich nicht. Die Welt schützt dich nicht. Alles, was du bist, gehört jetzt mir.“

Sein Verstand kämpfte gegen die Panik, doch jede Bewegung, jeder Gedanke wurde von der Stimme antizipiert. Jonas fühlte sich wie in einem Käfig, aus dem es kein Entkommen gab. Die Spannung, die sich über Stunden aufgebaut hatte, kulminierte in diesem Moment – die Präsenz des Unbekannten, die Macht der Stimme, die bedrohliche Realität der Schritte.

Abschnitt 10: Der Cliffhanger – Jonas’ Schicksal bleibt ungewiss

Jonas spürte, wie die Dunkelheit des Dachbodens sich verdichtete. Das Radio vibrierte heftig, als wollte es ihn verschlingen. Ein kalter Windhauch zog durch den Raum, obwohl kein Fenster geöffnet war. Die Stimme sprach noch einmal, leise, aber so eindringlich, dass sie direkt in seinen Kopf drang:

„Jetzt beginnt es wirklich, Jonas. Du bist nicht mehr nur Zuschauer.“

Er wollte schreien, rannte auf die Tür zu – und sie öffnete sich nicht. Die Schatten schienen sich zu bewegen, die Umrisse von Figuren bildeten sich, die kein menschliches Muster hatten, alles nur diffuse Dunkelheit, die ihn zu umschlingen drohte. Das Radio knisterte, die Stimme flüsterte weiter, aber jetzt vermischten sich Worte mit Geräuschen, mit Jonas’ eigenen Gedanken.

Dann – ein greller Lichtblitz. Jonas’ Herz raste, seine Augen brannten von der Anspannung, und alles um ihn herum schien für einen Moment zu verschwinden. Ein gleißender Moment, in dem Zeit und Raum sich dehnten, bevor alles abrupt wieder dunkel wurde.

Das letzte, was Jonas hörte, war das Radio:

„Du bist jetzt bei mir… und es gibt kein Zurück.“

Sein Schicksal blieb ungewiss. War er verschwunden, verschluckt von der Frequenz? Oder war dies nur der Beginn eines endlosen Spiels zwischen ihm und der Stimme, die jede Bewegung, jeden Gedanken kannte? Die Antwort lag irgendwo zwischen Realität und dem unheimlichen, pulsierenden Summen des Radios.

...

Wenn ihr wissen wollt wie es weiter geht, sagt mir bescheid, dann werde ich demnächst das nächste Kapitel veröffentlichen. 😉

Kommentar veröffentlichen

Neuere Ältere